Ein Todesfall im Urlaub oder bei längeren Auslandsaufenthalten ist eine Krisensituation, bei der Angehörige zusätzlich zu ihrer Trauer mit organisatorischen und bürokratischen Hürden konfrontiert werden. Dieser Ratgeber erklärt, was im Todesfall im Ausland zu tun ist, welche Kosten entstehen und wie eine Überführung nach Deutschland funktioniert.
Erste Schritte: Konsulat kontaktieren
Wenn ein Deutscher im Ausland stirbt, ist das deutsche Konsulat oder die Botschaft die erste Ansprechstelle. Das Konsulat wird benachrichtigt — normalerweise durch das Krankenhaus, die Polizei oder Bestattungsunternehmen vor Ort. Falls nicht, sollten Angehörige sofort selbst Kontakt aufnehmen.
Die Konsulat-Aufgaben: Benachrichtigung von Angehörigen, Assistance bei Ausstattung mit notwendigen Dokumenten (Leichenpass, Totenscheine), Koordination mit lokalen Behörden, Vermittlung von lokalen Bestattungsunternehmen, Hilfe bei Repatriierung-Arrangements. Das Konsulat hat nicht unbedingt alle Informationen — Angehörige müssen oft proaktiv werden.
Wichtige Nummern merken: Speichern Sie sich die Nummern Ihres Ziellands–Konsulates. In vielen Ländern gibt es 24/7-Notruflinien für Notfälle wie Todesfälle.
Der Leichenpass — das wichtigste Dokument
Der Leichenpass (auch „Totenschein“ oder „Death Certificate“ genannt) ist das entscheidende Dokument für eine Überführung nach Deutschland. Es wird vom lokalen Arzt ausgestellt und bestätigt die Todesursache und -zeit.
Die deutsche Botschaft oder das Konsulat wird den Leichenpass beglaubigen. Das ist absolut notwendig — ohne beglaubigten Leichenpass ist weder eine Überführung noch eine Bestattung in Deutschland möglich.
Achtung: Es gibt Länder, in denen es kompliziert ist, einen Leichenpass zu erhalten (besonders in Ländern ohne starke Infrastruktur oder bei ungeklärter Todesursache). In solchen Fällen kann das Konsulat eine „konsularische Totenbescheinigung“ ausstellen.
Repatriierung vs. Bestattung vor Ort
Angehörige müssen sich schnell für eine Variante entscheiden:
Option 1: Überführung nach Deutschland (Repatriierung)
Die Leiche wird transportiert und in Deutschland beerdigt oder eingeäschert. Vorteil: Bestattung in der Heimat, Trauergemeinde kann teilnehmen. Nachteil: Hohe Kosten (meist 2000–5000€+), lange Dauer (1–2 Wochen).
Option 2: Bestattung vor Ort
Die Leiche bleibt im Gastland und wird dort beerdigt oder eingeäschert. Vorteil: Deutlich günstiger, schneller. Nachteil: Emotionale Belastung, keine gemeinsame Beerdigung mit Familie, spätere Besuche am Grab schwierig.
Option 3: Kompromiss — Einäscherung und spätere Beisetzung
Die Leiche wird im Ausland eingeäschert (günstiger als Transport), die Asche wird nach Deutschland gebracht und dort beisetzt. Das ist eine häufig gewählte Variante, die Kosten und Emotionales in Einklang bringt.
Überführungskosten nach Zielland
Typische Gesamtkosten für eine Repatriierung:
- In Europa (Türkei, Polen, Spanien, Frankreich): 2000–3500€
- Mittelmeerregion (Griechenland, Kroatien, Italien): 2500–4000€
- Skandinavien (Schweden, Dänemark, Norwegen): 2000–3000€
- Fernreiseziele (Thailand, Ägypten, Marokko, Karibik): 4000–8000€+
Diese Kosten enthalten: lokale ärztliche Zeugnisse, Dokumentation und Beglaubigung, Sarg, Transport zum Flughafen, Luftfracht (internationales Flugticket für die Leiche), Zollklarierung in Deutschland, Transport vom Flughafen zum Bestatter in Deutschland.
Nicht enthalten: Erdbestattung oder Einäscherung in Deutschland (nochmal 1500–3000€), Bestattungsfeier.
Auslandsabsicherung und Reisekrankenversicherung
Eine gute Reisekrankenversicherung deckt oft auch die Kosten für Überführungen. Viele Versicherte wissen das nicht. Prüfen Sie Ihre Police!
Manche Versicherungen zahlen bis 250.000€ für Rückholungen. Andere zahlen nur bis 5000€. Es lohnt sich, vor Reiseantritt nachzufragen.
Auch manche Berufsunfähigkeitsversicherungen oder Lebensversicherungen enthalten Rückhol-Klauseln. Fragt nach!
Notwendige Papiere und Sterbeurkunde
Für die Repatriierung brauchen Sie:
- Beglaubigter Leichenpass (vom Konsulat)
- Konsularische Totenbescheinigung (falls kein Leichenpass)
- Pass oder Personalausweis des Verstorbenen
- Rückflug-Genehmigung (vom Konsulat)
- Bestattervertrag mit deutschem Bestatter
Die deutsche Sterbeurkunde wird erst nach Ankommen der Leiche in Deutschland durch das Standesamt ausgestellt. Das kann 1–2 Wochen dauern.
Praktische Tipps für Angehörige
1. Ruhe bewahren, schnell handeln
Der erste Schock ist überwältigend, aber es ist wichtig, schnell die nötigen Schritte zu unternehmen. Halten Sie eine Person als Ansprechpartner für das Konsulat.
2. Bestatterverbindungen nutzen
Große deutsche Bestattungsunternehmen haben oft Partnerbestätter weltweit. Das vereinfacht die Organisation erheblich. Viele arbeiten mit spezialisierten Agenturen für Repatriierung zusammen.
3. Finanzielle Hilfe prüfen
In manchen Fällen zahlt die Krankenkasse, Berufsgenossenschaft oder eine Versicherung. Immer fragen!
4. Zeitpuffer einplanen
Repatriierungen dauern normalerweise 1–3 Wochen. Während dieser Zeit können Angehörige ein Gedenkgottesdienst planen, ohne dass der Leichnam präsent ist.
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Was kostet eine Überführung aus dem Ausland nach Deutschland?
Typischerweise 2000–5000€, abhängig von der Entfernung und dem Land. Nah entfernte Länder (Polen, Türkei) sind günstiger, Fernreiseziele teurer.
Kann die Familie während der Überführung Abschied nehmen?
Begrenzt. In Deutschland können Angehörige oft das Leichenschauhaus besuchen, bevor der Bestatter die Beerdigung durchführt. Das ist aber bei intensivem Transport nicht immer möglich. Besprechen Sie das mit dem Bestatter.
Was passiert bei unerklärter Todesursache im Ausland?
Es wird eine Autopsie durchgeführt. Das verzögert die Überführung um einige Tage oder Wochen. Das Konsulat kann helfen, diesen Prozess zu beschleunigen.
Kann die Asche einfach von jemandem mitgenommen werden?
Theoretisch ja, aber es gibt dokumentarische Anforderungen. Die Asche muss in einer versiegelten Urne mit Zertifikat sein. Eine versicherte Luftfracht ist sicherer.