Aktualisiert: 17. März 2026 Lesezeit: ca. 11 Minuten

Hospiz & Sterbebegleitung: Ratgeber für Angehörige

Wenn eine schwere Krankheit unheilbar ist und das Lebensende absehbar wird, stehen Betroffene und Angehörige vor einer der schwierigsten Situationen ihres Lebens. Ein Hospiz bietet sterbenden Menschen einen geschützten Ort, an dem sie in Würde und ohne Schmerzen ihre letzte Lebensphase verbringen können. Die Sterbebegleitung — ob im Hospiz, zu Hause oder im Krankenhaus — unterstützt dabei nicht nur den Sterbenden, sondern auch die Familie. In diesem Ratgeber erklären wir alles, was Sie wissen müssen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kosten: Für Patienten und Angehörige entstehen keine Kosten (95 % Krankenkasse, 5 % Spenden)
  • Über 250 Hospize: Mit rund 2.700 Plätzen in Deutschland verfügbar
  • Voraussetzung: Unheilbare Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung (Wochen bis Monate)
  • Unterschied Palliativstation: Akute Symptombehandlung (2–3 Wochen) vs. ganzheitliche Begleitung bis zum Tod
  • Ambulant möglich: Hospizdienste und SAPV ermöglichen Sterbebegleitung zu Hause

Was ist ein Hospiz?

Ein Hospiz ist eine stationäre Einrichtung, die schwerstkranke und sterbende Menschen in ihrer letzten Lebensphase begleitet. Im Gegensatz zum Krankenhaus steht nicht die Heilung im Vordergrund, sondern die bestmögliche Lebensqualität bis zum Tod. Hospize bieten eine würdevolle, warme Atmosphäre mit Einzelzimmern, die Angehörige rund um die Uhr besuchen können. Ein Team aus Pflegekräften, Ärzten, Seelsorgern und ehrenamtlichen Begleitern kümmert sich um alle Bedürfnisse — körperlich, seelisch und spirituell.

In Deutschland gibt es über 250 stationäre Hospize mit insgesamt rund 2.700 Plätzen. Die meisten Hospize haben zwischen 8 und 16 Betten — bewusst klein, um eine persönliche Betreuung zu gewährleisten.

Hospiz vs. Palliativstation: Was ist der Unterschied?

Beide Einrichtungen verfolgen das Ziel, Leiden zu lindern — doch sie unterscheiden sich in wichtigen Punkten. Eine Palliativstation ist Teil eines Krankenhauses und nimmt Patienten auf, deren Symptome akut behandelt werden müssen (starke Schmerzen, Atemnot, Übelkeit). Der Aufenthalt ist zeitlich begrenzt, meist zwei bis drei Wochen. Danach kehren die Patienten nach Hause zurück, werden ins Hospiz verlegt oder erhalten ambulante Palliativversorgung.

Ein Hospiz nimmt Menschen auf, deren Lebenserwartung Wochen bis wenige Monate beträgt und die nicht mehr zu Hause versorgt werden können. Der Aufenthalt endet in der Regel mit dem Tod. Die Pflege ist weniger medizinisch-technisch als auf der Palliativstation, dafür stärker auf ganzheitliche Begleitung ausgerichtet.

Wer wird im Hospiz aufgenommen?

Voraussetzung für die Aufnahme in ein stationäres Hospiz ist eine unheilbare, weit fortgeschrittene Erkrankung mit einer begrenzten Lebenserwartung (in der Regel Wochen bis wenige Monate). Typische Erkrankungen sind fortgeschrittene Krebserkrankungen, schwere Herz- oder Lungenerkrankungen, neurologische Erkrankungen im Endstadium (ALS, MS) sowie fortgeschrittene Demenz. Zusätzlich muss die Versorgung zu Hause oder im Pflegeheim nicht mehr möglich oder nicht gewünscht sein. Ein Arzt muss die Notwendigkeit der Hospizversorgung bescheinigen.

Was kostet ein Hospiz?

Die gute Nachricht: Für den Patienten und die Angehörigen entstehen keine Kosten. Die Finanzierung eines Hospizplatzes wird zu 95 Prozent von den Krankenkassen und der Pflegeversicherung getragen. Die restlichen 5 Prozent trägt das Hospiz selbst, meist finanziert durch Spenden. Es gibt keine Zuzahlung, keinen Eigenanteil und keine Kostenbeteiligung der Angehörigen.

Die tatsächlichen Kosten eines Hospizplatzes liegen zwischen 250 und 400 Euro pro Tag, also 7.500 bis 12.000 Euro pro Monat. Diese Summe wird vollständig von den Kostenträgern übernommen.

Sterbebegleitung zu Hause: Ambulante Hospizdienste

Viele Menschen wünschen sich, zu Hause zu sterben. Ambulante Hospizdienste machen das möglich. Ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter kommen regelmäßig nach Hause, unterstützen bei der Pflege, sind für Gespräche da und entlasten die Angehörigen. Die Kosten werden vollständig von der Krankenkasse getragen.

Ergänzend gibt es die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV). Ein Team aus Palliativärzten und spezialisierten Pflegekräften versorgt den Patienten medizinisch zu Hause — rund um die Uhr erreichbar, auch nachts und am Wochenende. Auch die SAPV ist eine Kassenleistung.

Tipp: Frühzeitig informieren und Platz sichern

Hospizplätze sind begrenzt — bei durchschnittlich 8 bis 16 Betten pro Einrichtung gibt es häufig Wartezeiten. Sprechen Sie frühzeitig mit dem behandelnden Arzt und dem Sozialdienst des Krankenhauses. In dringenden Fällen kann eine Aufnahme auch kurzfristig möglich sein.

0 €
Eigenanteil für Patienten und Angehörige — keine Zuzahlung, keine Kostenbeteiligung

Sterbebegleitung: Was können Angehörige tun?

Die Begleitung eines sterbenden Menschen ist eine emotionale Herausforderung. Es gibt kein Patentrezept, aber einige Grundsätze können helfen. Seien Sie präsent — Ihre Anwesenheit ist das Wichtigste, auch wenn Sie nicht wissen, was Sie sagen sollen. Berührung tröstet: Die Hand halten, über den Arm streichen, sanft die Stirn berühren. Reden Sie über das, was Ihnen am Herzen liegt, auch wenn unklar ist, ob der Sterbende noch hören kann — das Gehör ist oft der letzte Sinn, der schwindet.

Respektieren Sie die Wünsche des Sterbenden. Wenn er Ruhe braucht, lassen Sie ihn ruhen. Wenn er reden möchte, hören Sie zu. Und vergessen Sie nicht, auch auf sich selbst zu achten — Sterbebegleitung ist kräftezehrend. Nehmen Sie Hilfe an, sprechen Sie über Ihre eigenen Gefühle und geben Sie sich Zeit.

Vorsorge: Patientenverfügung und Bestattungsvorsorge

Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass die Wünsche des Sterbenden respektiert werden — auch wenn er sich nicht mehr äußern kann. Ergänzend empfiehlt sich eine Betreuungsverfügung und eine Vorsorgevollmacht.

Auch die Bestattungsvorsorge sollte rechtzeitig geregelt werden. Wer seine Wünsche für die eigene Bestattung festhält und die Kosten über eine Sterbegeldversicherung absichert, nimmt den Angehörigen eine enorme Last. Denn in den ersten Tagen nach dem Tod müssen zahlreiche Entscheidungen getroffen werden — wer vorgesorgt hat, erleichtert diesen Prozess erheblich.

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