In den ersten Stunden nach einem Todesfall muss ein Bestatter beauftragt werden — oft unter Zeitdruck und in einer emotional extrem belastenden Situation. Genau deshalb ist es wichtig, sich nicht blind für den erstbesten Bestatter zu entscheiden, sondern Bestatter zu vergleichen. Die Preisunterschiede für vergleichbare Leistungen können 50 Prozent und mehr betragen. In diesem Ratgeber zeigen wir, worauf Sie achten müssen.
Das Wichtigste in Kürze
- Preisunterschiede: Bis zu 50 Prozent und mehr für vergleichbare Leistungen
- Vergleich lohnt sich: Gleiche Bestattung kann 3.000 bis 12.000 € kosten
- Zeitfenster: 24 bis 36 Stunden für mindestens 2–3 Angebote
- Qualitätsmerkmal: RAL-Gütezeichen und BDB-Mitgliedschaft beachten
- Pflicht: Schriftlicher Kostenvoranschlag ist gesetzlich vorgeschrieben
Warum Bestatter vergleichen so wichtig ist
Die Bestattungsbranche ist in Deutschland kaum reguliert — jeder kann ein Bestattungsunternehmen eröffnen. Es gibt keine einheitlichen Preislisten und keine vorgeschriebene Ausbildung. Das führt zu enormen Preisunterschieden bei vergleichbarer Qualität. Die Verbraucherzentrale hat in Stichproben festgestellt, dass die gleiche Bestattungsleistung je nach Anbieter zwischen 3.000 und 12.000 Euro kosten kann. Ein Vergleich lohnt sich also nicht nur, er ist dringend empfohlen.
Wichtig zu wissen: Sie haben nach einem Todesfall in der Regel 24 bis 36 Stunden Zeit, bevor der Verstorbene abgeholt werden muss. Das ist genug Zeit, um mindestens zwei bis drei Angebote einzuholen. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen.
Checkliste: Darauf sollten Sie beim Bestatter achten
Transparente Preisgestaltung: Ein seriöser Bestatter erstellt Ihnen einen detaillierten, schriftlichen Kostenvoranschlag — aufgeschlüsselt nach allen Einzelposten. Wenn ein Bestatter nur einen Pauschalpreis nennt und keine Aufschlüsselung liefern will, ist das ein Warnsignal.
Persönliches Beratungsgespräch: Gute Bestatter nehmen sich Zeit für Sie. Sie erklären die verschiedenen Möglichkeiten, berücksichtigen Ihre Wünsche und drängen Ihnen nichts auf. Ein Gespräch, das unter 30 Minuten dauert, ist oft zu kurz.
Mitgliedschaft in Fachverbänden: Achten Sie auf Mitgliedschaften im Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB) oder im Bestatterverband Ihres Bundeslandes. Mitgliedsbetriebe müssen bestimmte Qualitätsstandards erfüllen. Das RAL-Gütezeichen „Bestattungsdienstleistungen“ ist ein zusätzliches Qualitätsmerkmal.
Eigene Räumlichkeiten: Ein Bestatter mit eigenen Abschiedsräumen und Kühlung bietet in der Regel einen höheren Standard als ein reiner Vermittler ohne eigene Infrastruktur.
Erreichbarkeit: Im Trauerfall muss ein Bestatter rund um die Uhr erreichbar sein — auch nachts und an Wochenenden. Prüfen Sie, ob eine 24-Stunden-Hotline angegeben ist.
Was kostet ein Bestatter? Typische Preisstruktur
Die Kosten eines Bestatters setzen sich aus verschiedenen Posten zusammen. Die reinen Bestatterleistungen umfassen Überführung des Verstorbenen (150 bis 500 Euro), hygienische Versorgung und Einkleidung (100 bis 300 Euro), Aufbahrung (100 bis 400 Euro), Sarg oder Urne (300 bis 5.000 Euro), Organisation der Trauerfeier (200 bis 800 Euro) sowie Behördengänge und Formalitäten (150 bis 400 Euro).
Hinzu kommen Fremdleistungen, die der Bestatter weiterberechnet: Friedhofsgebühren, Krematoriumsgebühren, Blumenschmuck, Trauerredner, Anzeigen und Musikerin. Einen detaillierten Bestattungskosten-Vergleich nach Bestattungsart finden Sie in unserem separaten Artikel.
Online-Bestatter vs. lokaler Bestatter
In den letzten Jahren sind Online-Bestattungsplattformen wie mymoria oder Bestattungen.de entstanden, die Bestattungen digital planen und organisieren. Der Vorteil: transparente Festpreise, Online-Planung und oft günstigere Preise als beim lokalen Bestatter. Der Nachteil: weniger persönlicher Kontakt, die Durchführung erfolgt durch lokale Partnerbetriebe, die Sie nicht selbst auswählen.
Ein lokaler Bestatter bietet dagegen persönliche Betreuung, einen festen Ansprechpartner und oft eine tiefe Verwurzelung in der Region. Er kennt die Friedhöfe, Kirchen und Trauerredner vor Ort. Für Familien, die Wert auf persönliche Begleitung legen, ist der lokale Bestatter oft die bessere Wahl — vorausgesetzt, der Preis stimmt.
So holen Sie Angebote ein: Schritt für Schritt
Rufen Sie mindestens zwei bis drei Bestatter in Ihrer Region an. Beschreiben Sie kurz die Situation und Ihre grundsätzlichen Wünsche (Bestattungsart, ungefähre Größe der Trauerfeier). Bitten Sie um einen schriftlichen Kostenvoranschlag mit Aufschlüsselung aller Posten. Vergleichen Sie die Angebote Punkt für Punkt — nicht nur die Gesamtsumme. Achten Sie darauf, ob alle Leistungen enthalten sind oder ob zusätzliche Kosten versteckt sind.
Sie können auch unsere Übersicht geprüfter Bestatter nach Bundesland nutzen, um Bestatter in Ihrer Nähe zu finden. Auf unseren Bundesland-Seiten finden Sie Informationen zu regionalen Besonderheiten und Preisunterschieden.
Wichtig: Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen
Ein seriöser Bestatter gibt Ihnen Zeit für Ihre Entscheidung. Wenn ein Bestatter Sie zu schnellen Entscheidungen drängt, unaufgefordert am Sterbeort erscheint oder keinen schriftlichen Kostenvoranschlag erstellen will, suchen Sie sich einen anderen Anbieter.
Warnsignale: Wann Sie skeptisch sein sollten
Es gibt einige Warnsignale, die auf einen unseriösen Bestatter hindeuten. Wenn ein Bestatter keinen schriftlichen Kostenvoranschlag erstellen will, Sie zu schnellen Entscheidungen drängt, unaufgefordert am Sterbeort erscheint (sogenannte „Leichenjagd“), teure Zusatzleistungen aufschwätzt oder keine klare Preisaufschlüsselung liefert, sollten Sie sich einen anderen Anbieter suchen.
Vorsorge: Bestatter rechtzeitig auswählen
Am besten vergleichen Sie Bestatter, bevor ein Trauerfall eintritt. Im Rahmen einer Bestattungsvorsorge können Sie in Ruhe verschiedene Bestatter kennenlernen und den passenden auswählen. Mit einem Bestattungsvorsorgevertrag halten Sie alle Wünsche und Kosten verbindlich fest. Ergänzend sichert eine Sterbegeldversicherung die Bestattungskosten finanziell ab.