Der Leichenschmaus — auch Trauermahl, Trauerkaffee oder Beerdigungskaffee genannt — ist ein gemeinsames Essen nach der Beerdigung. Diese Tradition hat eine jahrhundertealte Geschichte und erfüllt einen wichtigen Zweck: Sie gibt der Trauergemeinde die Möglichkeit, gemeinsam zu erinnern, zu trauern und langsam vom Abschied ins Leben zurückzufinden. In diesem Ratgeber erklären wir, wie Sie einen Leichenschmaus planen und was es zu beachten gibt.
Das Wichtigste in Kürze
- Was: Gemeinsames Essen nach der Beerdigung – auch Trauermahl oder Trauerkaffee genannt
- Kosten: Ca. 15–35 Euro pro Person (Kaffee & Kuchen: 8–15 Euro)
- Dauer: Typischerweise 1,5 bis 3 Stunden
- Pflicht: Nein – ein Leichenschmaus ist freiwillig, keine gesetzliche Vorschrift
- Steuerlich: Kosten können als außergewöhnliche Belastung absetzbar sein
Was ist ein Leichenschmaus?
Der Leichenschmaus findet traditionell direkt im Anschluss an die Beerdigung oder Trauerfeier statt. Die Trauergemeinde kommt zusammen, um gemeinsam zu essen und zu trinken — und vor allem, um über den Verstorbenen zu sprechen. Erinnerungen werden geteilt, Anekdoten erzählt, manchmal wird gelacht und manchmal geweint. Dieser Moment des Zusammenseins hilft Trauernden, den schweren Tag nicht allein zu verarbeiten.
Der Name „Leichenschmaus“ klingt für manche befremdlich, hat aber nichts Respektloses. Er stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet einfach „Mahl zu Ehren des Verstorbenen“. In Süddeutschland sagt man häufig „Totenmahl“ oder „Beerdigungskaffee“, in Norddeutschland ist „Trauerkaffee“ gebräuchlich.
Muss man einen Leichenschmaus ausrichten?
Nein, ein Leichenschmaus ist keine Pflicht. Es gibt keine gesetzliche oder kirchliche Vorschrift, die ein Trauermahl verlangt. Manche Familien verzichten bewusst darauf — sei es aus finanziellen Gründen, weil der Verstorbene es so gewünscht hat oder weil die Trauerfeier im kleinen Kreis stattfindet. Wenn Sie einen Leichenschmaus planen, lädt in der Regel die engste Familie dazu ein — entweder mündlich nach der Trauerfeier, in der Traueranzeige oder über den Trauerredner.
Wo findet der Leichenschmaus statt?
Die häufigsten Orte für ein Trauermahl sind Gaststätten und Restaurants in der Nähe des Friedhofs (viele haben Erfahrung mit Trauerfeiern und bieten spezielle Menüs an), Gemeindesaale und Pfarrheime (oft günstig oder kostenlos nutzbar), Trauerhallen mit Bewirtungsmöglichkeit und für kleinere Runden auch das eigene Zuhause. Fragen Sie Ihren Bestatter nach Empfehlungen — die meisten kennen geeignete Lokale in der Umgebung.
Was wird beim Leichenschmaus serviert?
Es gibt keine festen Regeln für das Menü. Traditionell wird in Deutschland Kaffee und Kuchen serviert, daher der Name „Trauerkaffee“. Wenn die Beerdigung vormittags stattfindet, ist auch ein Mittagessen üblich — Suppe, ein warmes Gericht mit Beilage oder ein kaltes Buffet. Beliebt sind einfache, bodenständige Gerichte wie Gulaschsuppe, Braten mit Klößen, belegte Brötchen oder ein Suppenbuffet.
Wichtig: Planen Sie für verschiedene Ernährungsbedürfnisse — vegetarische und vegane Optionen sollten dabei sein. Alkohol ist grundsätzlich erlaubt, hält sich aber in der Regel in angemessenem Rahmen.
Was kostet ein Leichenschmaus?
Die Kosten hängen von der Anzahl der Gäste und dem gewählten Menü ab. Als Richtwert können Sie mit 15 bis 35 Euro pro Person rechnen. Kaffee und Kuchen liegen bei 8 bis 15 Euro pro Person, ein warmes Mittagessen bei 20 bis 35 Euro. Bei 30 Gästen ergeben sich also Kosten zwischen 450 und 1.050 Euro. Diese Kosten zählen zu den Bestattungskosten und können unter Umständen steuerlich als außergewöhnliche Belastung abgesetzt werden.
Tipp: Rechtzeitig reservieren
Gaststätten in Friedhofsnähe sind an Beerdigungstagen oft ausgebucht. Reservieren Sie das Lokal möglichst früh – idealerweise gemeinsam mit dem Bestatter, der oft gute Kontakte zu geeigneten Restaurants hat. Planen Sie etwa 10–20 Prozent mehr Plätze ein als erwartet, da manche Gäste spontan dazukommen.
Ablauf und Etikette
Der Leichenschmaus hat keinen formellen Ablauf, aber es gibt einige Gepflogenheiten. Die engste Familie empfängt die Gäste und weist ihnen Plätze zu. Ein kurzes Wort der Begrüßung durch ein Familienmitglied ist üblich — ein Dank an die Anwesenden und ein Hinweis, dass man gemeinsam an den Verstorbenen erinnern möchte. Dann wird gegessen, getrunken und erzählt.
Die Dauer liegt typischerweise bei 1,5 bis 3 Stunden. Gäste, die früher gehen müssen, verabschieden sich still bei der Familie. Es ist völlig in Ordnung, beim Leichenschmaus auch zu lachen — gute Erinnerungen an den Verstorbenen gehören dazu.
Alternativen zum klassischen Leichenschmaus
Nicht jeder möchte ein traditionelles Trauermahl. Immer beliebter werden alternative Formen wie ein Stehempfang mit Fingerfood und Getränken, ein Picknick im Park oder Garten (besonders bei sommerlichen Beerdigungen), ein gemeinsamer Spaziergang mit anschließendem Kaffeetrinken oder eine Feier im Sinne des Verstorbenen — etwa in seiner Lieblingskneipe oder seinem Lieblingsrestaurant. Erlaubt ist, was sich richtig anfühlt und zum Verstorbenen passt.
Weitere Tipps zur Planung einer würdevollen Abschiedsfeier finden Sie in unseren Ratgebern zum Ablauf der Trauerfeier, zur passenden Trauermusik und zu kurzen Trauersprüchen.